Moi. Moi. – Mission in Finnland

Erasmonautin: Juliane Manthei / Stadtbibliothek Falkensee
zu Gast in der Bibliothek: Seinäjoen pääkirjasto, Finnland

Der Aufenthalt umfasste die Hauptbibliothek, Zweigstellen, Fahrbibliotheken und einen Exkurs in die Universitätsbibliothek der SeAMK (University of Applied Sciences Seinäjoki)

Das habe ich gelernt:

Jeder Raum eine Idee – so könnte man zusammenfassen, was die Öffentlichen Bibliotheken der finnischen Stadt Seinäjoki ausmachen. Insbesondere die Hauptbibliothek (Pääkirjasto), bestehend aus der alten Aalto-Bibliothek (aus den 60ern) und der neuen Apila-Bibliothek (Eröffnung 2012), bietet mannigfaltige Räumlichkeiten. Einige Beispiele:

Aus einem ehemaligen Schutzbunker wurde ein kostenlos nutzbarer Musikproberaum. Instrumente, Verstärker, Hörschutz? Alles gratis inklusive.

Ein weiterer Raum wurde zum „Tuuppari“, dem „Lernenden Wohnzimmer“. Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren mit Lernschwierigkeiten und – behinderungen finden hier zu verschiedenen Themen des Lernens sowohl beratende Unterstützung als auch konkretes Material zur Ausleihe (z.B. sensorisches Material, Lesehilfen). Besonderer Schwerpunkt liegt hier auf der Literalisierung erwachsener Menschen.

Auch einen Makerspace findet man in der Hauptbibliothek, mit allem was das Herz begehrt (u.a. 3D-Drucker, Plotter, Grafiktablet). Mit dazu gehört ein separater Raum zum Thema Digitalisierung. Ob VHS, Disketten oder 16mm-Film – für ganz verschiedene Trägermedien stehen Geräte zur Digitalisierung zur Verfügung. Es gibt kostenlose Einführungsworkshops, bei vorhandenem Grundwissen kann man anschließend die Angebote alleine nutzen.

Eine weitere spannende Idee ist ein digitales Projekt gegen die Vereinsamung älterer Menschen: In Finnland sind die Distanzen zwischen den Orten mitunter groß, die Mobilität ohne Auto sehr schwierig. Aus einem Projekt der ambulanten Pflege erwuchs folgende Idee: regelmäßige Online-Meetings für Senior*innen, koordiniert und moderiert durch Bibliotheksmitarbeitende. Ursprünglich wurden kurze Online-Meetings durch Pflegepersonal initiiert, um tagsüber regelmäßig nachzuhorchen, ob es den zu pflegenden Menschen gut geht. Die Zeit reichte aber nur für das Notwendigste aus, der Bedarf an sozialer Interaktion war um ein Vielfaches höher. Mit dem Angebot der Bibliothek können nun ältere Menschen online zusammenfinden und haben einen Ort, um soziale Kontakte zu halten, auch wenn sie das Haus nicht verlassen können. In diesem Zusammenhang gibt es übrigens auch speziell von der Bibliothek vorgefertigte Tablets, die 6 Wochen entliehen werden können. Auf den Tablets sind Apps vorinstalliert, u.a. e-Book-Reader (e-Books befinden sich direkt auf dem Tablet, keine Anmeldung nötig), Spiele und der Zugang zu finnischen Kulturgütern (viele Museumsexponate wurden im Rahmen eines nationalen Projektes digitalisiert). Der Zugang ist maximal niedrigschwellig.

Das können andere Bibliotheken ausprobieren:

Dazu drei Impulse:

Einige Formate wie das Angebot eines Makerspace sind auch in Deutschland bereits weit verbreitet. Die Idee ist also nicht neu, dennoch bestärkt der Austausch noch einmal den Stellenwert solcher Räume. Sofern eine Bibliothek also über noch keinen Makerspace verfügt, lohnt sich hier unbedingt die Überlegung.

Besonders spannend fand ich die Idee, Senior*innen in ihrem Sozialleben zu unterstützen. Auch in Deutschland wird es aufgrund der demografischen Entwicklung immer mehr ältere Menschen geben und damit einhergehend wächst die Gefahr der sozialen Vereinsamung. Hier als Bibliothek neue Räume zu schaffen, ob physisch vor Ort oder digital wie oben beschrieben, bietet eine große Chance.

Auch die Zielgruppe erwachsener Menschen mit Lernschwierigkeiten- oder behinderungen kann stärker als bisher eingebunden werden. Warum in der „Bibliothek der Dinge“ also demnächst nicht nur Bohrmaschinen und Tischtenniskellen anbieten, sondern auch Lernmaterialien wie gewichtete Plüschtiere oder Leseschablonen?

Mein Tipp für zukünftige Erasmonauten: 

Auf die Gefahr hin, dass ich damit offene Türen einlaufe: Neugier ist essentiell! Immer offen für alles sein, viel nachfragen. Lernen ist zudem keine Einbahnstraße. Ich wurde beispielsweise gebeten eine Präsentation über meine Heimatbibliothek zu halten und die daraus resultierenden Gespräche waren Gold wert. Und: Unbedingt einige Brocken der Landessprache lernen, wenn man sie nicht selbst spricht. Das ist ein tolles Signal an die Gastgebenden und signalisiert „Ich interessiere mich für euch, eure Kultur, euer Land“. Generell ist es sehr empfehlenswert, sich vorab mit seinem Gastland zu beschäftigen. Sollte man nach Feierabend zu gemeinsamen Aktivitäten eingeladen werden: Mitmachen! Bibliotheken existieren nicht im luftleeren Raum, sie sind gesellschaftliche Räume. Je mehr man über sein Gastland erfährt, desto eher versteht man auch die Rolle der Bibliotheken.

Und damit ist die erste Erasmonauten-Mission nicht das Ende, sondern der Anfang.

Alle Fotos dieser Seite: Juliane Manthei

Mein Tipp für zukünftige Erasmonauten: 

Auf die Gefahr hin, dass ich damit offene Türen einlaufe: Neugier ist essentiell! Immer offen für alles sein, viel nachfragen. Lernen ist zudem keine Einbahnstraße. Ich wurde beispielsweise gebeten eine Präsentation über meine Heimatbibliothek zu halten und die daraus resultierenden Gespräche waren Gold wert. Und: Unbedingt einige Brocken der Landessprache lernen, wenn man sie nicht selbst spricht. Das ist ein tolles Signal an die Gastgebenden und signalisiert „Ich interessiere mich für euch, eure Kultur, euer Land“. Generell ist es sehr empfehlenswert, sich vorab mit seinem Gastland zu beschäftigen. Sollte man nach Feierabend zu gemeinsamen Aktivitäten eingeladen werden: Mitmachen! Bibliotheken existieren nicht im luftleeren Raum, sie sind gesellschaftliche Räume. Je mehr man über sein Gastland erfährt, desto eher versteht man auch die Rolle der Bibliotheken.

Und damit ist die erste Erasmonauten-Mission nicht das Ende, sondern der Anfang.

Ideen für die Praxis

Was daraus geworden ist